Frauenpower rund um den Kaiserstuhl: 02 – Martina Haberstroh 09.09.2020

Teil 2 der myKaiserstuhl Serie "Frauenpower rund um den Kaiserstuhl" führt unsere Reporterin Barbara nach Endingen zu Martina Haberstroh von der Grüne Maid.

Fragen an Martina Haberstroh, Grüne Maid

Martina Haberstroh kennt man am Kaiserstuhl als “Die Grüne Maid”. Schon als Kind war sie in den Bann der Pflanzen- und Wildkräuter gezogen.  Heute hat sie es sich zur Herzens-Aufgabe gemacht, mit ihren Wildkräuter-Führungen und den dazu passenden hausgemachten Produkten den Menschen die Verbindung zu Flora und Fauna wieder herzustellen.


Hallo Martina, kannst du unseren Leser*innen kurz erklären, wo wir uns geografisch gerade befinden?

Wir befinden uns ca. 20 km nördlich von Freiburg, in Endingen am Kaiserstuhl. Endingen mit seiner historischer Altstadt ist für mich persönlich das schönste Städtchen am Kaiserstuhl.

Was ist das Besondere an der Altstadt von Endingen?

Du merkst, dass Endingen früher zu den Österreichern, genauer gesagt zu den Habsburgern gehört hat. So ist dieser tolle Charme in dem Städtchen entstanden.

Wie beschreibst du den “Habsburger Charme”?

Lieblich, etwas verspielt, mit schönen Fachwerkhäusern – auf jedenfall ein Besuch wert.

Wer genau steckt hinter der “Grünen Maid”?

Das bin ich, Martina Haberstroh. Ich bin schon relativ früh an die Kräuter gekommen. Zwei  sogenannte “Altledige” –  ganz versteckt lebende – Nachbarinnen sind früher schon mit ihrer Marktchaise (wie ein Korb-Kinderwagen mit riesigen Rädern) auf den Markt gegangen. Ich war bereits früh von diesen Frauen fasziniert. Schon als Dreijährige bin ich regelmäßig zu meinen Nachbarinnen abgehauen, während meine Eltern Mittagsschlaf abgehalten haben. Diese zwei Frauen waren so magisch, ich musste einfach hin. Ich durfte Schnittlauch, Löwenzahn und Petersilie ernten und bündeln. Wir sind gemeinsam auf den Markt. Das hat mich so geprägt, dass ich meine Lehre im Gemüsebau gemacht habe. Heute darf ich mich ländliche Hauswirtschafterin und Heil- und Wildkräuterpädagogin nennen.

Was verbindet dich mit dem Kaiserstuhl?

Die Wärme, das tolle Licht, die Pflanzen, die das ganze Jahr hier wachsen.

Ist in der Wintersaison auch Kräuterzeit?

Im Winter werden die Kräuter natürlich nicht so groß. Aber genau diese Widrigkeit, wenn die Kräuter kämpfen müssen, machen diese im Geschmack viel intensiver. Auch Ruccola (Deutsch Rauke) ist im Winter perfekt – richtig scharf. Die Stoffe, die die Pflanzen dann zu ihrem Schutz ausschütten, sind besonders gut für uns. Es gibt auch Kräuter, die wie der Feldsalat, am liebsten unterm Schnee wachsen.

Welches ist deiner Meinung nach das unterschätzteste Wildkraut?

Die Brennessel. Sie ist für mich die kraftvollste und heilsamste Pflanze für uns Menschen. Sie hat sehr viel Chlorophyll, was wiederum unserem Blut sehr ähnlich kommt und somit auch sofort in unser Blut übergeht. Ähnlich wie Traubenzucker, nur dass es länger anhält. Die Brennessel ist entgiftend, entschlackend, entsäuernd, entwässernd… alles was wir brauchen. Auch alle B Vitamine sind in der Brennessel. Dieses Superfood wächst überall kostenlos, wir müssen nur kapieren, dass sie für uns gedacht ist.

Wie bereite ich die Brennessel am besten zu?

Im Pesto, Smoothie, Suppe, Salat. Brennessel sollte eigentlich überall rein gemacht werden.

Die Ernte tut aber weh, oder?

Es gibt einen Trick, wie man die Brennessel pflückt. Du musst sie von unten nach oben streichen, damit die Brennhaare nicht mehr abstehen. Dann passiert überhaupt nichts.

Dein persönliches Lieblingskraut?

Giersch. Als Wildgemüse ist der Giersch das Non plus Ultra. Schmeckt nicht nur nach Grün, sondern nach Sellerie, Wilde Petersilie, Karotte, also richtig nach Essen.

Welche Produkte stellst du unter deinem Label “Grüne Maid” her?

Zum Beispiel Wilde Brühe, das ist eine Gemüsebrühe als Paste. Dafür fahre ich extra in den Schwarzwald um Bärwurz zu ernten. Der gibt der Brühe den herzhaften, maggieartigen Geschmack. Dann ist natürlich noch ganz viel Giersch, Liebstöckel und Petersilie drin. 

Dann stelle ich noch Wildkräuter-Pesto, Sirups, meinen Balsamico-Crema Essig mit wilden Brombeeren und natürliche Kräuter-Tees her. Es gibt bei mir süße und herzhaft Aufstriche.

Was für “Events” bietest du an?

Außer der Wildkräuterführungen, die man z.B. auch für Vereine, Betriebsausflüge, Geburtstage buchen kann, biete ich Kurse an. Zum Beispiel habe ich neulich Kräuterbüschel binden und Kränze schlingen angeboten. Es kommen auch Junggesellinnenverabschiedungen hierher, die Dekoration herstellen. Sobald demnächst meine Küche fertig ist, wird im Anschluss einer Kräuterführung auch beim Kochen Hand angelegt, dass man auch die Praxis der Kräuterzubereitung lernen kann. Die Kräuterwanderungen kann man auch immer mit einer Weinprobe verbinden, da ich zusammen mit dem Winzerhof Linder kooperiere.

Wie kann man informiert bleiben?

Am besten über facebook. 

Du bist Namensgeberin von Martinas Marktschiira direkt bei Endingen, was gibts dort?

Da gibt es jede Menge Wein vom Winzerhof Linder, Naturwein, Demeter-Wein, meine Produkte und Produkte von Menschen aus der Region, wie z.B. Endinger Honig, leckere Kekse von der Kekstante, Keramik, Feierabend Brände (toller Schnaps, so wie er schmecken sollte), Postkarten etc. Freitags findet hier nachmittags ein Markt mit Erzeuger*innen aus der Region inkl. Weinverkostung und demnächst auch mit Essen statt. 

Ein Schlusswort an unsere Leser?

Bitte respektiert die Natur.


Wir bedanken uns bei Martina Haberstroh von der Grüne Maid in Endingen.

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